| Liebe Leser/innen,
Ihr Namibianer seid schon klasse. Im Auto auf dem Weg in den Urlaub stellten wir hinter Windhoek fest, dass wir unsere Pässe in Swakopmund hatten liegenlassen. Eine Rund-SMS an alle Kontakte hatte zur Folge, dass von überall her Vorschläge gesmst wurden und wir innerhalb von 15 Minuten wussten, wer gleich von der Küste nach Windhoek fährt. So verspäteten wir uns um nur vier Stunden, bis wir weiterreisen konnten. Merci Simone von Lüttwitz- für die Herstellung des Kontaktes, thanks Silke Hornung für das Mitbringen unserer Pässe und grazie an all euch nette Landesgenossen. Dank eurer Hilfsbereitschaft war es mir vergönnt, einen Ort namens Koffiefontein kennenzulernen.
Sie wollen mir doch nicht etwa erzählen, dass Sie diese Prunkniederlassung der grellen Neonlichter, Nachtklubs und einer für unsere Verhältnisse verwirrend großen Gnuherde von Zweibeinern im Herzen der gigantischen Kontinentalplatten nicht kennen?
Spaß beiseite! Dieses verschlafene Nest, das mir zu allem Unglück auch noch an dem einzigen Ruhetag der Woche präsentiert wurde, liegt unten im Oranje-Freistaat, genauer gesagt südöstlich von Kimberley und ist den alteingesessenen Südwestern sicher als Internierungslager bekannt. Man stelle sich vor: Kein Auto auf dem vor Hitze flimmernden Asphalt, und keine Menschenseele vor den größtenteils verfallenen Häuschen. Die einzigen Geräusche: das Rascheln der Blätter im heißen Sommerwind und das Zirpen der Grillen in der sengenden Hitze. Während der Rest unserer Gruppe sich auf dem von Menschen nur so wimmelnden Golfplatz tummelte - man stelle sich vier einsame, hinter einem weißen Bällchen herrennende Erdlinge auf einer großen Rasenfläche vor-, schaute ich mir dieses Minenkaff ein wenig näher an.
Überall ist der Verfall eines einstmals florierenden Diamanten städtchens zu sehen. Der Name ,,Kaffee-fontäne” entsprang dem 19. Jahrhundert, einer Zeit, als Transportfahrer an diesem Platz ihre Kaffeepause einlegten und der erste Diamant dort entdeckt wurde. Die im Jahre 1870 von De Beers gegründete Diamantenmine wurde 2006 geschlossen. Petra Diamonds übernahm den Betrieb im darauf-folgenden Jahr. Obwohl die Mine und einige kleinere Betriebe Arbeit beschaffen, ist Koffiefontein und seine Umgebung von Armut geprägt. Einem Zensus zufolge leben fast 60 Prozent der dortigen Bevölkerung unter dem Existenzminimum. Erstaunlich, dass trotz des Elends an diesem besagten Sonntag kein einziges Café oder Restaurant geöffnet war. Nur der OK-BAZAAR lockte mit einer offenen Eingangstür. Dreimal dürfen Sie raten, wer den Betrieb leitet. Na klar, eine fleissige Portugiesen-Familie!
Was hat dieses Kuhdorf eigentlich noch zu bieten? Nunja, wer ein Fan des afrikaansen Schriftstellers Etienne Leroux ist, kann hier seine ehemalige Wohnstätte und sein Grab besuchen. Und wem der Schweiß zu sehr aus den Poren rinnt, der stelle sich einfach unter die Schnute der gußeisernen Kaffeekanne am Eingang des sterbenden Städtchens und lasse sich das kalte Wasser über den dampfenden Pelz gießen. Auch ein Erlebnis!
Ihre
Susann Kinghorn
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