Eva Maria Walter: ein Stück Kameldornholz

Walvis Bay (sk) – In der Peter-Dickson-Str. Nr. 16 (früher 6. Straße West), unweit der Lagune von Walvis Bay, lebt seit fast 60 Jahren eine 84jährige Dame, der eine gehörige Portion Bewunderung gebührt.
Eva Maria Walter (geb. Kerber), 1932 in Glogau in Niederschlesien (heute Polen) geboren und in Hof an der Saale in Oberfranken ausgebildet, lief ihrem ersten Ehemann davon und landete mit Sohn Michael in den 50iger Jahre in Swakopmund, wo sie im Antonius-Krankenhaus als Krankenschwester tätig war. Dort lernte sie Arthur kennen, der sich in der Fischdosenfabrik in Walvis Bay, wo er tätig war, seinen Fuß gebrochen hatte. ,,So manches Mal in unserem 59jährigen Eheleben hat er mich wissen lassen, dass er mir ja damals mit seinem Gipsbein nicht weglaufen konnte”, meint die Schlesierin schmunzelnd. Und sie fügt hinzu: ,,Ich konnte damals so gut wie kein Afrikaans sprechen, aber der Standesbeamte traute uns in Afrikaans – mit roter Nelke im Knopfloch!” Eva Maria Walter als Schwester

 

 

Eva Maria Walter (Mitte) als junge Krankenschwester in den 50iger Jahren mit zwei weiteren Auszubildenden. Foto: Privat!

 

 

 

 

 

 

 

 

Inzwischen leidet ihr 96jähriger Arthur an Alzheimer, und seine Frau pflegt ihn liebevoll in dem Haus, in dem sie seit 1960 wohnen.
Nicht nur das! Unsere Rentnerin hat weder eine Haushilfe noch einen Gärtner, der ihr unter die Arme greift. Sie bügelt selbst, putzt die Fenster und kümmert sich auch sonst um alles in Haus und Hof.
Eva Maria Walter hat nie Arbeit gescheut. Sie schmiss als junge Ehefrau nicht nur den Haushalt, sondern zog neben Michael zwei weitere Söhne, Jörg-Peter und Fritjof, groß.
1975 eröffnete sie mit einem Starkapital von N$ 600,-, einem Paket Wolle und einer Rolle Stoff das Geschäft Wool and Materials, das sie 7 Jahre später verkaufte. walter2

 

 

Die 84jährige Eva Maria Walter mit ihrer langjährigen Freundin Jeanne Meintjes, die das Unternehmen Eco Marine Kayak Tours betreibt. Foto: Susann Kinghorn

 

 

 

Als sie ihren Mann für einige Monate nach Chile begleitete, hatte sie großes Heimweh und träumte davon, ein Gästehaus in der Hafenstadt aufzubauen.
Wieder in Namibia, wurde ihr Gebet erhört, als ihr Blick auf die verwahrloste Ozeanamesse fiel. Der Gästebetrieb Golden Fish erblickte das Licht der Welt, wobei Bauunternehmer Boet Botma, dem das Gebäude gehörte, unserer rüstigen Dame sehr entgegenkam. Er kümmerte sich um die Restaurierung und gab Frau Walter ein ganzes Jahr lang Zeit für die Rückzahlung. ,,Ich hatte N$ 10000,- zur Verfügung, um das Gäste-Etablissement einzurichten”, erinnert sie sich. ,,Also kaufte ich Gebrauchtmöbel. Die Kissen habe ich alle selbst bezogen. Auch die Gardinen für die 30 großen Fenster und die paar kleinen habe ich selbst genäht. Ich habe nachher nur noch das Ried- und Blättermuster des Gardinenstoffes vor Augen gesehen”, fügt sie lachend hinzu.
Auf die bewundernde Feststellung hin, wie fleissig sie sei, antwortet sie nüchtern: ,,Ich bin seit meinem 13. Lebensjahr zugange. Wir waren sieben Kinder, und ich habe beim Bauern gearbeitet…”
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Im großen Regenjahr 2011 paddelte Eva Maria Walter mit dem Unternehmen Eco Marine Kayak Tours den überfluteten Kuiseb entlang. Foto: Eco Marine Kayak Tours

 

 

Eva Maria Walter ist das älteste der sieben ,,Kinder” , von denen drei Brüder und eine Schwester im Alter zwischen 75 bis 80 noch leben. Ein Bruder verstarb in einem Autounfall, ein weiterer an Zerebralsklerose.
Wenn Sie glauben, dass neben der Pflege ihres kranken Mannes, der Versorgung von Haus und Garten, keine Freizeit mehr für unsere zähe 84jährige bleibt, liebe Leser, dann haben Sie sich gründlich getäuscht. Gerade kürzlich paddelte sie wieder mit dem Kajak durch die Lagune von Walvis Bay.
Wer möchte nicht auf diese Art und Weise altwerden?

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