Lichtblick für einsame Farmer

Die Schtorie von Ingrid Kubisch wird in zwei Folgen auf diesen Seiten erscheinen.
Ingrid Kubisch, bekannte namibische Autorin, lebt auf der Farm Okapaue-Ost in der Omaheke. Sie schreibt meistens Kurzgeschichten, von denen viele in Namibia und Deutschland publiziert wurden, mehrere davon preisgekrönt. Sie ist Mitglied der Autorengruppe “doppelpunkt” und ehemaliges Redaktions-mitglied der Literaturzeitschrift Felsgraffiti. Ingrid Kubisch ist Anbieterin der beliebten Jungautoren Schreibwerkstatt des Deutschen Kulturrats. Sie lebt und schreibt nach der Devise von Kurt Tucholsky: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“.
Folge 1
Endlich passiert was. Der Einsamkeit des Junggesellen auf der Farm soll ein Ende bereitet werden. Die Fernsehshow „Bauer sucht Frau“ kommt nach Namibia. Unter dem Banner „Farmer sucht Frau“ sind deutschsprachige Farmer eingeladen, sich schriftlich und mit Foto bei RTL zu melden und, wenn sie Glück haben, kommen junge Frauen, die ganz versessen darauf sind, sich einen Farmer zu ergattern, mit ihrer Betreuerin auf die Farm. Dem hoffnungsfreudigen Farmer werden zwei Anwärterinnen vorgestellt, von denen er sich erst mal eine aussucht, und dann schauen die beiden, ob sie sich nach einer gemeinsam verbrachten Woche auf der Farm kennen und lieben gelernt haben. Wenn ja, ist Farmer mit Frau glücklich, wenn nein – dann die Nächste! Vielleicht. Und alles, alles wird gefilmt – von der Pein bis zur Qual. „Verliebt, gefilmt, verheiratet“ lautet der Slogan.

 

Plaasboer sucht Bokkie!

 

 

 

 

Frauenmangel bei Farmern ist nichts Neues. Schon damals in der alten Kolonie herrschte akuter Frauenmangel. Was sich in Südwest abspielte, war in den Zeiten vor über 100 Jahren sehr bedenklich. Weit über die Hälfte der Siedler lebte in „Konkubinatsverhältnissen“ mit Frauen der kolonisierten Bevölkerung. Blondlockige, blauäugige Kinder waren immer seltener zu sehen, während braunhäutige, krausköpfige Mischlingssprösslinge überall herumwuselten. Zudem sprach diese Nachkommenschaft ein grausliches Mischmasch aus Deutsch, Herero und Afrikaans. Es war nicht mehr zu übersehen, dass die deutschen Männer auf den Farmen und Siedlungen in Südwest am Verkommen und Verrohen waren. Dieses Faktum veranlasste Gouverneur Leutwein, zur Feder zu greifen, um einen Brandbrief an die oberste Kolonialverwaltung zu schreiben und auf die Verschiffung deutscher Frauen zu drängen.
Das Wohl und Heil der Kolonie stand auf dem Spiel und bedurfte des energischen Einsatzes der Mitgliederinnen des Kolonialen Frauenbundes, die um so wichtiger und gebieterischer auftraten, je bedeutender die Amtsbezeichnungen ihrer Gatten waren. Gegen eine energische Frau ist kein Kraut gewachsen, und sind es derer gar mehrere, zudem beseelt von missionarischem Eifer, so kann mit Fug und Recht erklärt werden, dass das Schicksal vieler Junggesellen auf den Farmen besiegelt war.
Der Angriff erfolgte von mehreren Flanken. Zum einen wurden Kolonialfrauenschulen im deutschen Reich ins Leben gerufen. „…nicht im freien burschikosen Wesen soll sich die Tatkraft der Absolventin einer Kolonialfrauenschule äußern, sondern in echter Weiblichkeit als Hohepriesterin deutscher Zucht und Sitte und beseelt vom Christentum.“(Kolonie & Heimat 1910). Das war ein Fehlschlag, da die Südwester Männerwelt den Frauenwert für sich anders definierte: „Die ledigen Männer in unseren Schutzgebieten suchen nur Frauen, die kräftig zupacken können, unbelastet von Bildung und Erziehung, ohne höhere Ansprüche.“ (Aus Golf Dornseif). Tja, da hatte man sich wohl schon so richtig schön an die unterwürfige schwarze Weiblichkeit in der Kolonie gewöhnt. Zähneknirschend musste der Frauenbund einsehen, dass die Absolventinnen ihrer Schulen keinen Fuß über die Schwellen der dürftigen Wellblechbehausungen der Farmer setzen würden….
Fortsetzung folgt

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