Locker vom Hocker: Auf der Spur der Braunen Hyäne

Liebe Küstenleser!
Stellenweise ist das Kuisebdelta südlich unserer Hafenstadt mit undurchlässig-dichtem Schilf bewachsen. Bei einer Wanderung durch diese grandiose Riviermündung verliert man dann den sonst so selbstverständlichen Weitblick, und bei drohender Gefahr gibt es hier keine Möglichkeit zu entweichen. Kuiseb mit Andreas Juni 2016 (67)klein

 

 

Auf der Spur einer Schabrackenhyäne (Parahyaena brunnea oder Hyaena brunnea) im dichten Schilf der Kuisebmündung.
Foto: Andreas Kinghorn

 

 

 

Just in der Enge des Rieddickichts, entdeckten mein Sohn und ich eine große, ganz frische, hundeähnliche Spur vor uns, von der wir vermuteten, dass sie von einer Schabrackenhyäne stammt. Die ist hier nämlich hin und wieder gesichtet worden. Oder handelte es sich vielleicht doch um den Pfotenabdruck eines Hundes, der unter Umständen vom Auto gefallen war? Es fiel nämlich auf, dass der Tapfen der kleinen Hinterpfote immer dicht auf die mächtige Vorderpfote folgte, weshalb ich meinte: ,,Also, was auch immer das für ein Viech ist, es muss entweder verletzt oder besoffen sein.”

Kuiseb mit Andreas Juni 2016 (70)

 

 

Die Vorderpfote der Braunen Hyäne im Namibsand.

Foto: Susann Kinghorn

 

 

 

 

Um welch ein Tier es sich auch immer handelte, wir mussten ihm jedenfalls automatisch folgen, da es keinen anderen Weg gab als den zweispurigen, auf dem Allradfahrer auch nach Sandwich Harbour unterwegs sind.
Die Pad schien unendlich, und irgendwie wurde mir doch ein wenig mulmig zumute beim Anblick der frischen Spur eines ganz bestimmt nicht kleinen Raubtieres – wenn es denn kein Hund sein sollte. Endlich war der zögerliche Gang durch das Schilfgras beendet, man konnte wieder einen Horziont sehen, und die Tatzen verloren sich zwischen den kleinen Sanddünen.
Bekanntlich sind Strandwölfe, wie die Braunen Hyänen ja auch genannt werden, extrem scheu und laufen eher weg, wenn sie etwas Ungewohntes hören…und wir haben zumindest laut palavert.
Das Foto, das ich von der Vorderpfote gemacht hatte, schickte ich dann per Mail an Ingrid Wiesel, eine Hamburger Biologin, die seit 17 Jahren in Lüderitz lebt und das Brown Hyena Research Project leitet. Sie konnte bestätigen, dass es sich in der Tat um eine Braune Hyäne handelt, zumal ich ihr auch die ,,besoffene” Gangart beschrieb. ,,Das ist der typische Paßgang der Hyänen”, erklärte sie. ,,Im Unterschied zu den meisten anderen Vierbeinern – werden die Beine auf einer Körperseite gleichzeitig und -förmig nach vorne gesetzt.” Und so habe ich auch nach fast 50 Jahren Leben in Namibia wieder etwas dazugelernt.

Hyaene Seven at Bakers Bay

 

Die Braune Hyäne Seven bei Baker’s Bay im Diamanten-Sperrgebiet im Südwesten Namibias.

Foto: Ingrid Wiesel

 

 

 

 

Die Schabrackenhyäne ist die einzige Hyänenart, deren Fell nicht gemustert oder gestreift ist. Außerdem ist sie nachtaktiv, weshalb wir uns eigentlich glücklich schätzen können, zumindest ihre frische Spur und beinahe auch sie selbst gesehen zu haben.
Ich habe Frau Wiesel, die sich bereits 1995 am Namibwüstenrand in den Strandwolf verliebt hat, dann auch gefragt, ob wir denn in Gefahr hätten sein können, als wir so hinter der Hyäne hertrotteten. ,,Es ist in der Regel nicht gefährlich, der frischen Spur einer Braunen Hyäne zu folgen”, meinte sie. ,,Falls das Tier in der Nähe ruhen sollte, hört es Sie meistens aus einiger Entfernung und wird weglaufen. Sie sollten jedoch nicht unbedingt einer Spur in eine Bergschlucht folgen, wo es gegebenfalls keinen Fluchtweg gibt.” Außerdem erteilt die Tierforscherin den Rat: ,,Falls sie versehentlich mal eine Hyäne aufscheuchen und diese keinen Fluchtweg hat, entfernen Sie sich in normaler Geschwindigkeit von dem Tier und drehen sich möglichst auch um, d.h. gehen Sie nicht rückwärts”.
Übrigens habe ich immer gedacht, dass die Hyäne mit dem Hund verwandt ist, da beide Tierarten aufgrund ähnlicher Bedingungen eine Parallelentwicklung hatten. Vielmehr gehören diese urigen Viecher zu den Schleichkatzen.
Wie dem auch sei, jetzt im sicheren Nachhinein tut es mir eigentlich leid, dass wir nicht in den seltenen Genuss einer Hyänenbegegnung gekommen sind, WENN diese ,,buckligen” Raubtiere mit den unschlagbar starken Kiefern mir auch nicht so ganz geheuer sind.
Ihre Susann Kinghorn

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