Locker vom Hocker: Namibische Frauenpower

Liebe Küstenleser!

Der Mensch lebt von der Hoffnung, und meine Hoffnung setze ich auf die schwarzafrikanische Frau, weil ich mehrfach erfahren habe, wie tüchtig sie sein kann – im Gegensatz zu ihrem männlichen Gegenpart.
Ich nenne hier ein simples Beispiel von vielen: Wir hatten vor Jahren unseren Holzzaun mit einer Mauer ersetzt , und unsere hererosprachige Haushilfe Clara Ramana wollte das Holz haben. Also lief sie einen Samstag mit drei weiteren Hererofrauen aus Mondesa zu uns nach Kramersdorf. Die Frauen arrangierten die Holzlatten auf solch eine Art und Weise, dass sie sie mühelos auf ihren Köpfen nach Hause tragen konnten. Unser Gartenangestellter, ebenfalls hererosprachig, fand noch nie eine Verwertung für die Gegenstände, die wir ,,ausmisteten”. Fast die gesamte Hauseinrichtung von Clara Ramana besteht aus Möbeln, Töpfen und anderen Gegenständen, die einmal uns gehörten. Ich bewundere ihre Art, für alles einen Verwendungszweck zu haben.
Mein Frauenpower-Hoffnungsschimmer war durch die vielen Morde, die kürzlich in unserem sonst so wunderschönen Land verübt worden waren, quasi verglimmt – obwohl die Mörder fast immer Männer waren, höchst selten Frauen!
Doch dann erneut ein Lichtblick in der Form einer Ansprache unserer First Lady Monica Geingos, die mir eine ehemalige, heute in der Schweiz lebende Klassenkameradin, vor ein paar Tagen zusandte. Monica Geingos
Welch ein frischer Wind wehte mir da in Form von geistreichen Worten aus dem Munde der namibischen Präsidentengattin entgegen. Welch neuartige, hoffnungsvolle Musik in unserem politischen Gestade. Ich war total beeindruckt!
Nach dem inspirierendem Hörgenuss verwundert es mich nicht, dass Monica Geingos (geborene Kalondo) vor drei Jahren zu einer der 12 einflussreichsten Personen Namibias gewählt wurde.
Zurück zu ihrer Rede! Monica Geingos spricht mit ruhiger Stimme in akzentfreiem Englisch frisch von der Leber weg. Ganz selten schaut sie auf das Papier, das sie dezent unter dem Rednerpult versteckt hält, und auf dem sie wohl ein paar Notizen stichwortartig vermerkt hat.
So geht sie auf die Rolle von politischen Leitfiguren ein: ,,Führer können andere Menschen gut leiten, nicht aber unbedingt sich selbst” Und sie nennt Heuchelei offen beim Namen: ,,Was wir zu Hause hinter verschlossener Tür aussprechen und hinter einem Rednerpult von uns geben, sind oftmals zwei verschiedene Dinge.”
Sie nennt ein persönliches Beispiel, um ihre Sicht von Führung plausibel zu machen: ,,Neulich haben meine Kinder ein Treffen mit mir arrangiert. Sie kamen mit einer Liste von Klagen über mich. Ich würde nicht zuhören. Wenn ich etwas entschlossen habe, dann bleibt es bei dem Entschluss, und wenn ich meine Recht zu haben, dann wird daran nicht gerüttelt.” Obwohl Mutter Geingos sich der berechtigten Kritik durchaus bewusst war, erteilte sie ihren Kindern eine Lektion: ,,Im Leben gibt es immer jemanden, der über dir steht. Es ist nicht meine Aufgabe, mich zu verändern, um euch dienlich zu sein. IHR müsst herausfinden, wie weit ihr euch anpassen könnt, um mich dazu zu bringen, so aufzutreten, wie ihr es gerne hättet. Schließlich braucht ihr mich mehr als ich euch.”
Monica Geingos geht auf die Veränderung der Gesellschaft in den letzten 50 Jahren ein und vergleicht die Möglichkeiten der Kinder und Eltern heutzutage mit ihrer eigenen Situation: ,,Ich habe meine Eltern nie kritisiert. Meine Kinder kritisieren mich jeden Tag. Sie müssen aber lernen, mit ihrer Situation fertigzuwerden, so wie ich als Führerin lernen muss, mich meinen Untergeordneten anzupassen.”
Dann geht sie auf ihren Titel als First Lady ein: ,,Ich werde oft um mein Amt als First Lady beneidet….aber es ist nur ein Titel, und der ist zeitlich. Sie müssen sich fragen, wodurch Sie sich definieren. Was ist Ihr Ziel im Leben, was berechtigt Ihre Existenz? Ich selbst definiere mich eher über meine Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende der EBank Namibia und Geschäftsführerin des Finanzunternehmens Stimulus als über meinen Titel First Lady. Ausbildung und Beruf sind nämlich dauerhafter und beständiger als Titel und Status.”
Monica Geingos gibt Rat: ,,Als Führer musst du leider lernen, ,nein’ zu sagen, sonst wirst du verschlungen und es bleibt keine Zeit für dich und deine Ziele. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun.”
Liebe Küstenleser, ich setze meine Hoffnung erneut auf afrikanische Frauenpower. Sie können sich die 30minütige Rede auf Youtube anhören: https://www. youtube.com/watch?v=HR1CV49XHFw

Ihre Susann Kinghorn

You must be logged in to post a comment Login