Worte der Woche

Unser Südwest
Was fesselt dich an dieses Land,
voll Dornen, Steine, Gras und Sand?
Ist es die Sonne, die dir lacht,
des Mondes helle, hehre Pracht?
Der Blick in jene weite Ferne,
sind es die ungezählten Sterne?
Ist es die Freiheit, die dir teuer,
die Nacht am lodernd Lagerfeuer?
Der schroffen Berge schönes Bild,
das edle, doch so scheue Wild?
Die Farm als Heimat, lieb und wert,
weil sie dem Vater schon gehört?
Sind es die Tiere, die dein Eigen,
ist es das Rauschen in den Zweigen?

Spiegelbergfahrt Mai 2008 155 klein

Ein Halfmens (Pachypodium namaquanum)

auf dem Hohenzollernberg im tiefen Süden

unseres bezaubernden Namibias.
Foto: Susann Kinghorn

Wenn bei des Blitzes Allgewalt,
der Donner aus den Wolken hallt?
Der schwere, heißersehnte Regen?
Nur er bringt diesem Lande Segen.
Der Bäume Blüten weißer Duft,
die Sommernacht mit lauer Luft?
Des Grases silberweißes Blühn,
sind es Wolken, die eilig ziehn?
Die Wogen brausend, wild und schwer,
an dieser Küste, öd und leer?
Ist es die Flamme fliehend rot,
wenn Grasbrand uns verderbend droht?
Die Fläche blinkend hell vom Tau,
des Himmels immer leuchtend blau?
Die Namib drohend starr und stumm,
die Einsamkeit um dich herum?
Einhüllend dich in tiefes Schweigen,
du wirst dich stets in Ehrfurcht neigen
vor der Natur und ihrer Größe,
trotz aller Härte, aller Blöße.
Sie ist es, die dich hält so fest,
sie ist der Zauber von Südwest.
Die hehre und die herbe Schönheit,
umgibt mich schon so lange Zeit.
Ich seh’ sie stets, vergess sie nicht,
wenn auch erlosch mein Augenlicht.
Hertha von Dewitz schrieb dieses Gedicht 1944, neun Jahre vor ihrem Tod
(eingesandt von Eva-Maria Walter)

You must be logged in to post a comment Login